Antisemitismus im Kontext Hochschule nach dem 7. Oktober

Strukturen, Dynamiken und Handlungsperspektiven

Am Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) startet das einjährige Forschungsprojekt „Antisemitismus im Kontext Hochschule nach dem 7. Oktober – Strukturen, Dynamiken und Handlungsperspektiven“. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) durchgeführt und von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Rahmen des Förderaufrufs „Sichtbarmachung und Analyse von Antisemitismus an Hochschulen“ gefördert. 

Das Erkenntnisinteresse der Studie betrifft den Umgang mit Antisemitismus an Hochschulen aus den Perspektiven jüdischer Studierender und Hochschulangehöriger sowie spezialisierter Beratungsstellen. Im Zentrum stehen Erfahrungen von Antisemitismus, institutionelle Umgangsweisen, Fallkonstellationen und Beratungsverläufe sowie die daraus resultierenden Bedarfe und Schutzlücken. Ziel der Studie ist es, antisemitische Dynamiken und institutionelle Routinen im Hochschulalltag differenziert zu rekonstruieren und daraus Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Beratungsstrukturen abzuleiten.

Methodisch folgt die Studie einem qualitativ-rekonstruktiven Forschungsansatz und verbindet narrative Interviews, Gruppendiskussionen, Fall- und Dokumentenanalysen sowie Sekundäranalysen. Ziel ist es, antisemitische Dynamiken, institutionelle Routinen und Schutzlücken im Hochschulkontext differenziert zu rekonstruieren und daraus Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Beratungsstrukturen abzuleiten.

Der Anlass der Studie ist die durch zivilgesellschaftliche Melde- und Dokumentationsstellen dokumentierte Zunahme antisemitischer Vorfälle an Hochschulen seit dem 7. Oktober – darunter Bedrohungen, körperliche Angriffe, Ausschlüsse, antisemitische (Bild-)Sprache sowie institutionelle Konflikte in Lehr- und Gremienkontexten. Hochschulen zeigen sich zunehmend als zentrale Orte antisemitischer Artikulationen und politischer Mobilisierung, insbesondere in Form israelbezogenen Antisemitismus. Zugleich zeigt sich eine Veränderung der Qualität und Dynamik der Fälle: Antisemitische Äußerungen und Handlungen treten zunehmend offen, konflikthaft und kollektiviert auf, werden stärker normalisiert und institutionell eingebettet sichtbar. Jüdische Studierende berichten von eingeschränkter Teilhabe, Sicherheitsverlust und dem Rückzug aus dem Hochschulalltag. Trotz der ersten empirischen Einsichten, Fall- und Beratungsanalysen fehlen bislang vertiefte empirische Untersuchungen zu den Erfahrungen jüdischer Studierender und Hochschulangehöriger vor und nach dem 7. Oktober sowie zu den längerfristigen Auswirkungen auf das Gefühl der Sicherheit und Bildungsteilhabe.

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