Factsheet zur Studie »Umgang mit Antisemitismus im Kontext der Polizei in Thüringen« von M.Chernivsky, F. Lorenz-Sinai, H. Balzer und S. Hoppe
Wie nehmen Polizeibeamt*innen Antisemitismus wahr? Welche Antisemitismusverständnisse prägen ihr berufliches Handeln – und wo zeigen sich Unsicherheiten, Distanzierungen oder Leerstellen?
Das Factsheet fasst zentrale Ergebnisse der qualitativen Studie »Umgang mit Antisemitismus im Kontext der Polizei in Thüringen« zusammen. Diese wurde am Forschungsbereich des KOAS in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam durchgeführt.
Auf Grundlage narrativer Interviews mit Polizeibeamt*innen aus unterschiedlichen Einsatzbereichen und Hierarchiestufen rekonstruiert die Studie, wie Antisemitismus verstanden, eingeordnet – und teilweise auch ausgeblendet wird.
Die Befunde zeigen u. a. eine starke Historisierung des Antisemitismus, biografische und berufskulturelle Distanzierungen sowie ambivalente Wahrnehmungen im polizeilichen Berufsalltag. Antisemitismus erscheint vielfach nicht als strukturelles oder institutionelles Phänomen, sondern wird externalisiert oder als Einzelfall verstanden.
Zugleich macht das Factsheet deutlich, dass eine unzureichende Wahrnehmung von Antisemitismus das Vertrauen jüdischer Communities in staatliche Institutionen nachhaltig beeinträchtigen kann. Vor diesem Hintergrund unterstreicht die Studie den Bedarf an verbindlicher, praxisnaher und antisemitismuskritischer Aus- und Fortbildung im Polizeikontext.
Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« und durch den Landespräventionsrat Thüringen gefördert.
Zitiervorschlag:
Chernivsky, Marina / Lorenz-Sinai, Friederike / Balzer, Hanne / Hoppe, Sophia (2025): Umgang mit Antisemitismus im Kontext der Polizei in Thüringen. Factsheet. Berlin: Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS).
