Unbehagen an der Geschichte?

Unbehagen an der Geschichte

Das zweiteilige Forschungsprojekt „Unbehagen an der Geschichte?“ untersucht den Umgang mit Antisemitismus und Rechtsextremismus im Kontext von Gedenkstättenpädagogik.

Der erste Teil des Projekts wurde von 2020 bis 2021 am Forschungsbereich des Kompetenzzentrums antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) unter Leitung von Marina Chernivsky in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam mit Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai und unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Johanna Schweitzer umgesetzt. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) gefördert. Ein wissenschaftlicher Beirat begleitete die Umsetzung der Studie.

In der qualitativen Studie wurden Gruppendiskussionen mit pädagogischen Mitarbeiter*innen durchgeführt, um kollektive Deutungsmuster, Orientierungen und narrative Praktiken zu rekonstruieren. Im Rahmen der Studie fand ein Validierungsworkshop mit den Studienteilnehmer*innen statt, um Befunde zu diskutieren. Ziel der Analyse war ein vertieftes Verstehen von Perspektiven, Deutungen, Bedarfen und Praktiken im Umgang mit gegenwärtigem Antisemitismus im Kontext der Gedenkstättenarbeit. Die Analyse zeigte gedenkstättenübergreifende Herausforderungen, geteilte Deutungen, Praktiken und Bedarfe im Kontext der Gedenkstättenarbeit. Von dieser empirischen Basis ausgehend wurden Reflexionsimpulse für eine antisemitismuskritische Gedenkstättenpädagogik formuliert.

Der zweite Teil des Forschungsprojekts wird von 2026 bis 2027 in einer Forschungskooperation zwischen dem KOAS und dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen durchgeführt. Das Projekt wird unter Leitung von Marina Chernivsky (KOAS) und Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (IRex) und wissenschaftlicher Mitarbeit von Sophia Hoppe (KOAS) und Dr. Hanne Balzer (IRex) umgesetzt. Ziel ist es, die veränderten Anforderungen für die Gedenkstättenpädagogik nach dem 7. Oktober zu analysieren. Hierfür werden erneut Gruppendiskussionen mit pädagogischen Teams an vier Gedenkstätten durchgeführt, analysiert und mit den Befunden des ersten Projektteils verglichen.

Folgende Forschungsfragen sind leitend bei der Umsetzung der Studie:

  • Wie manifestiert sich gegenwärtiger Antisemitismus und Rechtsextremismus in Gedenkstätten?
  • Welche Erwartungen und Funktionszuschreibungen werden mit dem Besuch an Gedenkstätten zu ehemaligen Konzentrationslagern verbunden?
  • Welche strukturellen Handlungsbedarfe lassen sich daraus für die Weiterentwicklung der Gedenkstättenpädagogik und der institutionellen Rahmenbedingungen ableiten?
  • Welche Herausforderungen und Bedarfe ergeben sich daraus für die pädagogischen Mitarbeiter*innen?
  • Wie kann auf antisemitische Situationen vor Ort reagiert und interveniert werden?

Ansprechpartnerin: forschung[at]koas-bildungundforschung.de