Seminar »Diskriminierungskritische Praxis in Schule, Kita, Jugend- und Sozialarbeit«
8. Mai 2026 , 9:00 - 16:00 Uhr
Ort: Jena
Termine:
08.05.2026, 09:00 Uhr – 16:00 Uhr,
29.05. – 30.05.2026
Anmeldung: erfolgt über KVV Uni Jena
Seit Längerem beobachten wir eine zunehmende politische und gesellschaftliche Polarisierung. Krisenhafte Entwicklungen verschärfen bestehende Ungleichheiten und führen vermehrt zu Gewalt gegen Minderheiten. Pädagogische Institutionen und Fachkräfte stehen daher in besonderer Verantwortung, sichere Lern- und Erfahrungsräume zu schaffen und Schutz vor Diskriminierung wirksam zu gewährleisten. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen – insbesondere mit Antisemitismus, Rassismus, Klassismus, Sexismus und weiteren Formen von Ungleichwertigkeitsideologien. Diese Reflexion bildet den Ausgangspunkt für eine zeitgemäße, emanzipatorische pädagogische Praxis, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch strukturelle Bedingungen von Ausschluss und Zugehörigkeit sichtbar macht und bearbeitbar werden lässt. Eine weitere zentrale Prämisse ist die Entwicklung resilienter Institutionen, die in der Lage sind, auf gesellschaftliche Krisen, Polarisierungen und Gewaltverhältnisse nicht nur zu reagieren, sondern ihnen strukturell entgegenzuwirken. Resilienz meint in diesem Zusammenhang nicht bloß Anpassungsfähigkeit, sondern die bewusste Gestaltung von Strukturen, die Schutz, Reflexion und Handlungsfähigkeit langfristig sichern.
Das Seminar bietet die Möglichkeit, sich vertieft mit den genannten Themenfeldern auseinanderzusetzen. Es zielt auf die Entwicklung und Einübung diskriminierungskritischer Haltungen sowie praxisrelevanter Kompetenzen im Umgang mit gesellschaftlichen Ungleichheiten und aktuellen politischen Entwicklungen – insbesondere in Schule, anderen pädagogischen Einrichtungen sowie in der Jugend- und Sozialarbeit.
Am Beispiel von Antisemitismus werden zentrale Strukturprinzipien von Diskriminierung herausgearbeitet und gemeinsam reflektiert. Dies ermöglicht ein vertieftes Verständnis ihrer Wirkungsweisen, Kontinuitäten und Herausforderungen im pädagogischen Alltag und sensibilisiert zugleich für die Erfahrungen der Betroffenen. Auch die Weitergabe historischer Wissensbestände und ihrer Bedeutungszusammenhänge wird dabei als Teil der Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus in individuellen wie gesellschaftlichen Kontexten sichtbar. Im Zentrum stehen stets die Fragen und Reflexionsbedarfe der Teilnehmenden. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Module ist bedarfsorientiert und gruppenbezogen. Der thematische Fokus bleibt erhalten; zugleich hält sich die Seminarleitung und den Teilnehmenden die Möglichkeit offen, dringenden Praxisfragen und Anliegen zu folgen und diese in das Curriculum zu integrieren.
Die Fortbildung findet im Rahmen der Perspektivwechsel – Praxisstelle Thüringen »Perspektivwechsel – Praxisstelle Thüringen« des Kompetenzzentrums antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Referent*in: Judith Steinkühler (KOAS)
