Neues Forschungsprojekt „KiDem – Jüdische Kindertagesstätten und demokratische Teilhabe“

Das Forschungsprojekt „KiDem – Jüdische Kindertagesstätten und demokratische Teilhabe“ untersucht Erfahrungen, Deutungen und Bedarfe von jüdischen Kindertagesstätten in Bezug auf die anhaltende antisemitische Bedrohung nach dem 7. Oktober 2023.

Die Studie wird als ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen sowie der Beratungsstelle OFEK e.V. umgesetzt.

Die Forschung bildet den wissenschaftlichen Teil des Projekts „ATID2.0“, das am KOAS angesiedelt ist und seit 2020 bundesweit im Bereich der Demokratiebildung in der frühkindlichen Bildung arbeitet. Die Studie folgt einem qualitativen, multiperspektivischen Forschungsdesign. Methodisch basiert die Studie auf Interviews, Gruppendiskussionen und einer multiperspektivischen Fallanalyse von ausgewählten Einrichtungen. Auf diese Weise werden unterschiedliche Akteur*innenperspektiven sowie verschiedene Altersgruppen einbezogen. Die verschiedenen Perspektiven werden rekonstruktiv ausgewertet und zueinander relationiert, um je unterschiedliche Wahrnehmungen, Deutungen und Praktiken sichtbar zu machen. Das qualitative Forschungsdesign ermöglicht es, zu untersuchen, wie Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte krisenhafte Ereignisse wahrnehmen, verarbeiten und in ihren Alltag integrieren. In jüdischen Einrichtungen betrifft dies nicht nur die Reaktionen und Bedarfe von Kindern, sondern ebenso die Belastungen von Eltern sowie die professionelle Rolle von Fachkräften, die zugleich stabilisierend wirken und eigene Betroffenheit verarbeiten müssen.

Projektleitung: Dipl.-Psych. Marina Chernivsky (KOAS), Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (IRex)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Hanne Balzer (IRex) 

Ansprechpartnerin: forschung[at]koas-bildungundforschung.de 

Online-Vorstellung des finalen Studienberichts 

Online-Vorstellung des finalen Studienberichts zum Forschungsprojekt »Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland« 

Datum: 08.10.2026, 14.00 – 16:00  Uhr 

Ort: ​Online (Zoom)

Anmeldung: bis zum 05.10.2026 

Sollten Sie Gebärdensprachdolmetschung nutzen und/oder weitere Bedarfe hinsichtlich Barrierefreiheit benötigen, teilen Sie uns dies bitte bei Anmeldung mit. Den Zugangslink erhalten Sie nach Anmeldung ein paar Tage vor der Veranstaltung per E-Mail.

Das KOAS, das Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes laden Sie herzlich zur Online-Vorstellung des Forschungsprojekts »Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland« ein.

Programm:

  • Grußwort von Ferda Ataman (Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung)
  • Vorstellung der zentralen Ergebnisse der Studie durch Marina Chernivsky (KOAS) und Friederike Lorenz-Sinai (IRex)
  • Kommentar zur Studie durch Laura Cazés (ZWST) und Ron Dekel (JSUD)
  • Moderation: Shelly Kupferberg (Deutschlandfunk Kultur und Radio3 beim rbb)
  • Austausch

Eine Studienteilnehmerin beschreibt ihr Erleben nach dem 7. Oktober 2023 wie folgt: »wahrscheinlich werden wir irgendwie noch eine Weile überleben irgendwie (.) aber die Räume dafür (.) es gibt immer weniger Räume dafür (.) die Räume dafür werden rarer sozusagen“ (Interviewpartnerin, Ende 30)Die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) geförderte Studie untersucht seit Februar 2024 die Auswirkungen des 7. Oktober auf den Alltag jüdischer und israelischer Communities. Die Grundlage bilden narrative Interviews, Gruppendiskussionen, Selbstbeobachtungen und Follow-up-Erhebungen mit 118 Studienteilnehmer*innen zwischen 7 und 80 Jahren.
Im Fokus stehen die unmittelbaren und längerfristigen Folgen der Angriffe sowie Erfahrungen mit Antisemitismus. Untersucht werden lebensgeschichtliche Einordnungen sowie Veränderungen von Teilhabe und sozialen Beziehungen – in Familien und Nachbarschaften, in Institutionen, am Arbeitsplatz und im digitalen Raum. Ebenso geht es um Fragen von Sicherheit und Vertrauen, um den Umgang mit gesellschaftlichen Reaktionen sowie um innerjüdische Kohäsion und Empowerment.

Dies ist eine Veranstaltung des KOAS, dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

NEU! AKTIF – Professionalisierungsprogramm für Fachkräfte im Umgang mit Antisemitismus in Institutionen

AKTIF ist ein intersektorales Professionalisierungs- und Kooperationsprojekt, das Fachkräfte aus Gedenkstättenarbeit, politischer Bildung, Zivilgesellschaft sowie aus schulischen, außerschulischen und universitären Bildungskontexten adressiert. Das Projekt hat eine zweijährige Laufzeit (2026–2027) und wird in Kooperation mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen sowie OFEK Baden-Württemberg in Stuttgart, Freiburg und Tübingen umgesetzt. Gefördert wird das Projekt durch die Baden-Württemberg Stiftung.

In (selbst-)reflexiv und institutionsbezogen konzipierten Qualifizierungs- und Dialogformaten entwickeln Teilnehmende aus verschiedenen Sektoren fachlich fundierte Handlungssicherheit im Umgang mit Antisemitismus. Im Fokus stehen (berufs-)biografische Annäherungen an (institutionellen) Antisemitismus, Fall- und Praxisreflexionen, Qualitätsmerkmale antisemitismuskritischer Bildung sowie die Entwicklung nachhaltiger Strukturen und Schutzkonzepte. 

Bei der Umsetzung des Projekts wird das KOAS auf langjährige Erfahrungen in der Konzeption, Durchführung und Implementierung vergleichbarer Programme sowie auf erprobte methodisch-didaktische Ansätze (u.a. den ACT-Ansatz) zurückgreifen. Das KOAS wird im Rahmen des Projekts die dreiteilige Qualifizierungsreihe sowie einen der drei geplanten Fachdialoge konzipieren und umsetzen. Gemeinsam mit OFEK e.V. und dem IRex werden zum Projektabschluss ein Fachtag durchgeführt sowie ein Qualitätspapier erarbeitet.

Die Ausschreibung der Maßnahmen wird in Kürze bekanntgegeben.

Ausschreibung Praktikum September bis Dezember 2026

Wer sind wir? 

Das Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) ist ein bundesweit tätiges Institut mit Sitz in Berlin, das Projekte und Programme im Bereich antisemitismuskritischer Bildung und Forschung entwickelt und umsetzt. Hervorgegangen aus einer 2007 gegründeten Fachstelle in Thüringen, wurde das KOAS 2024 als Institut in Trägerschaft der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. in Berlin etabliert. 

Seit der Gründung koordiniert und konzipiert das KOAS Bildungsprojekte und Netzwerke, entwickelt innovative Bildungsprogramme, fördert fachlichen Austausch, qualifiziert und begleitet Prozesse der antisemitismuskritischen Organisationsentwicklung und berät fachpolitische Entscheidungsträger*innen. Seit 2017 forscht das KOAS zu Antisemitismus in institutionellen und gesellschaftlichen Kontexten.   

Seit 2025 ist das KOAS zudem Partner im Kooperationsverbund Antisemitismus (KOVA), der im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« gefördert wird.   

Euch erwarten… 

  • spannende Einblicke in den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit als Schnittstelle zu allen Bereichen des KOAS;  
  • Mitarbeit am Ausbau und Pflege unserer Social-Media-Präsenz;  
  • Einblicke in die Organisation und Durchführung von (digitalen) Veranstaltungen;  
  • Hospitation in Workshops, Fortbildungen, Fachgesprächen
  • einen Einblick in die Arbeitsweisen des Forschungs – und des Bildungsbereiches,
  • ein offenes und freundliches Team; 
  • Ein Arbeitsplatz in zentraler Lage in Berlin 

Eure Aufgaben… 

  • die Betreuung und Pflege der Social-Media-Kanäle und des Webauftrittes;  
  • redaktionelle Tätigkeiten, wie das Verfassen von Texten für die digitalen Medien;  
  • Erstellen von Graphiken für die Öffentlichkeitsarbeit via Canva;  
  • Unterstützung bei der Organisation von Veranstaltungen. 

Was solltet ihr mitbringen? 

  • Angefangenes Studium der Politikwissenschaften, Sozialen Arbeit, o.ä.;  
  • Social Media-Affinität und Kreativität; 
  • Eine sehr gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit, Teamfähigkeit, Organisationstalent und Flexibilität werden vorausgesetzt. 

Eure Studienordnung schreibt ein Praktikum vor, Ihr habt ggf. bereits Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt und interessiert Euch für eine engagierte und motivierte Mitarbeit im Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS), dann bewerbt Euch jetzt! Sendet eure Bewerbungsunterlagen (kurzes Anschreiben, Lebenslauf und Nachweis über Pflichtpraktikum) bitte an harbi[at]koas-bildungundforschung.de. 

Wir freuen uns auf eure Bewerbungen! 

Leseempfehlung – Marina Chernivsky (2025) Qualitätsmerkmale antisemitismuskritischer Bildung

Leseempfehlung – Marina Chernivsky (2025) Qualitätsmerkmale antisemitismuskritischer Bildung, in Profession. Journal für politische Bildung 1/2025, Hrsg. Bundesausschuss politische Bildung, Wochenschau Verlag. S. 50 – 54

Antisemitismuskritische Bildung braucht einen Perspektivwechsel – und Qualitätsmerkmale. Was macht antisemitismuskritische Bildung jedoch aus? Und woran lässt sie sich messen? Antisemitismus ist kein Randphänomen – er wirkt auch im Alltag von Bildungseinrichtungen. Doch allzu oft bleibt Antisemitismus unsichtbar oder wird auf Einzelfälle reduziert. Marina Chernivsky zeigt in ihrem aktuellen Beitrag: Antisemitismuskritische Bildungsarbeit braucht Qualitätsstandards, die genau hier ansetzen.
Die Erfahrungen jüdischer Schüler*innen machen sichtbar, was oft verdrängt wird: Schule ist selten ein sicherer Ort. Sie berichten von Beschimpfungen, Bedrohungen und institutioneller Ignoranz – bis hin zur Verleugnung jüdischer Präsenz durch Lehrkräfte. 
Antisemitismuskritische Bildung muss daran gemessen werden, ob sie diese Realitäten anerkennt und ihnen begegnet – strukturell, reflexiv und professionell. Dazu gehört: Räume für Selbstreflexion zu schaffen, antisemitische Reproduktionen zu stoppen, Emotionen zu adressieren und jüdische Perspektiven einzubeziehen. Antisemitismuskritische Bildung braucht Qualitätsmerkmale – und die Bereitschaft, das eigene pädagogische Handeln daran zu prüfen.

Neuer Internetauftritt des Kooperationsverbunds gegen Antisemitismus (KOVA)

Der Kooperationsverbund gegen Antisemitismus (KOVA) hat seine neue Internetseite veröffentlicht. Unter www.kooperationsverbund-gegen-antisemitismus.de sind aktuelle Angebote der sechs beteiligten jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen gebündelt auffindbar: Die Angebote umfassen antisemitismuskritische Bildung, Unterstützung von Betroffenen und Fachkräften, Begegnungsformate sowie die Forschung und die Erfassung von antisemitischen Vorfällen. Ein inhaltlicher Fokus liegt auf den Bedarfen von Fachkräften im Bereich Gedenkstätten, Hochschule, Schule, Justiz und Verwaltung sowie von Personen, die von Antisemitismus betroffen sind.

Seit Beginn des Jahres 2025 ist das KOAS Partner im Kooperationsverbund gegen Antisemitismus. Der Kooperationsverbund ist ein Zusammenschluss aus sechs bundesweit tätigen Organisationen im Themenfeld der antisemitismuskritischen Bildung, Forschung und Erfassung von antisemitischen Vorfällen. Er besteht aus dem Anne Frank Zentrum e. V., der Bildungsstätte Anne Frank e. V., dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V. (RIAS Bund), dem Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS), der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus – KIgA e. V. und dem Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.

Der Kooperationsverbund wird im Bundesprogramm »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Fortbildungsreihe mit der PEP in Thüringen

Rückblick: Fortbildungsreihe mit der PEP in Thüringen

Termine: August 2025 – Februar 2026   

Ort: Thüringen 

Mit dem Abschluss von insgesamt zehn Fortbildungen in unterschiedlichen Landespolizeiinspektionen Thüringens endet die erste Veranstaltungsreihe zum Umgang mit Antisemitismus in der polizeilichen Praxis. Die Reihe wurde in enger Zusammenarbeit mit der Stabstelle Polizeiliche Extremismusprävention (PEP) umgesetzt und in verschiedenen Regionen des Freistaats durchgeführt. Die hohe Teilnahmebereitschaft, die konzentrierte Arbeitsatmosphäre sowie die differenzierten fachlichen Rückmeldungen der Teilnehmenden unterstreichen die Relevanz des Themas für die polizeiliche Praxis.  
Im Fokus der Fortbildungen standen die Auseinandersetzung mit aktuellen Dimensionen des Antisemitismus, der professionelle Umgang mit antisemitischen Vorfällen im Einsatz sowie die konsequente Einbeziehung der Betroffenenperspektive. Thematisiert wurden auch Fragen der Einordnung, Erfassung und Einordnung antisemitischer Straftaten. Anhand praxisnaher Fallbeispiele wurden Handlungssicherheit und Sensibilität im Umgang mit Betroffenen gestärkt. Gleichzeitig boten die Veranstaltungen Raum für die kritische Reflexion eigener Routinen, institutioneller Rahmenbedingungen und professioneller Selbstverständnisse.  
Der Umgang mit Antisemitismus berührt Fragen staatlicher und institutioneller Verantwortung und demokratischer Selbstverpflichtung gleichermaßen. Die Zusammenarbeit mit der PEP Thüringen verdeutlicht, wie antisemitismuskritische Expertise kontinuierlich in polizeiliche Bildungsprozesse eingebunden und strukturell gestärkt werden kann. Diesen Weg werden wir gemeinsam weitergehen. 

Diese Fortbildungsreihe fand in Kooperation mit dem Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung – Stabsstelle Polizeiliche Extremismusprävention statt. 

Referent*innen: Vera Katona, Judith Steinkühler (KOAS)