Leseempfehlung: Tagungsbericht von Laura-Elisa Appelhagen zur Tagung »Demokratie. Bildung. Erinnerung. – Auftrag und Herausforderung für eine zeitgemäße historisch-politische Bildung«

Am 28. und 29. Mai 2026 fand in Hannover die Tagung »Demokratie. Bildung. Erinnerung. – Auftrag und Herausforderung für eine zeitgemäße historisch-politische Bildung«statt. Gemeinsam veranstaltet vom ZeitZentrum Zivilcourage der Landeshauptstadt Hannover, dem Institut für Didaktik der Demokratie der Leibniz Universität Hannover und dem Lehr- und Forschungsschwerpunkt Erinnerungskulturen und Bildung der Universität Hildesheim, brachte sie Perspektiven aus Wissenschaft und Bildungspraxis zusammen. Die Tagung war Teil des Veranstaltungsprogramms zum fünfjährigen Bestehen des ZeitZentrum Zivilcourage.

Im Panel »Antisemitismuskritik und Demokratiebildung« sprach Marina Chernivsky, Leiterin des KOAS, über »Leerstellen und Aktualisierungen der Antisemitismuskritik«. Sie beschrieb Antisemitismus als historisch gewachsenes Strukturproblem und zeigte anhand eigener empirischer Ergebnisse die Diskrepanz zwischen den Erfahrungen jüdischer Schüler*innen und der mangelnden Wahrnehmung durch Lehrkräfte auf. Mit Blick auf die Zeit seit dem 7. Oktober 2023 verwies sie zudem auf ein verstärktes Gefühl der Schutzlosigkeit, neue Formen jüdischer Selbstorganisation sowie fortbestehende Forschungs- und Unterstützungsdefizite.  Der Tagungsbericht von Laura-Elisa Appelhagen ist bei H-Soz-Kult erschienen und gibt Einblicke in die Beiträge und Diskussionen der Tagung. 

Literatur: Laura-Elisa Appelhagen, Tagungsbericht: Demokratie. Bildung. Erinnerung. Auftrag und Herausforderung für eine zeitgemäße historisch-politische Bildung, in: H-Soz-Kult, 13.08.2026, https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-163694 

Hörempfehlung: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai im Deutschlandfunk

Am 07.10.2026 sprach Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (IRex, Universität Tübingen) im Deutschlandfunk über die Situation jüdischer Studierender an deutschen Universitäten und Hochschulen.

Zu Beginn des Wintersemesters stellte die Amadeu Antonio Stiftung Zahlen zu Antisemitismus an deutschen Hochschulen vor und leitet die 23. Aktionswochen gegen Antisemitismus »Für einen Campus ohne Judenhass« ein. 85 Prozent der 205 von der Stiftung in Deutschland befragten jüdischen Studierenden hätten ihre Identität bereits verstecken müssen. Berichtet wird über antisemitische Angriffe, Hass und Ausgrenzung auf der einen und über Passivität und Ignoranz im Umgang mit Antisemitismus innerhalb von Hochschulen auf der anderen Seite. Im Interview spricht Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (IRex, Universität Tübingen) und Co-Autorin unserer Studie »Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland« zu Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023. Sie betont, dass Hochschulen Antisemitismus, im Gegensatz zu Rassismus und Sexismus, nicht als Gewalt oder Diskriminierung verstehen würden, sondern als politischen Auseinandersetzung, als abstraktes Thema, das vermeintlich niemanden betreffen würde. In Interviews zeige sich ein anderes Bild: jüdische Studierende, die sich an Hochschulen vollkommen allein gelassen fühlten; für die sich der Campus nach Kriegsgebiet anfühlte und die aufgrund der antisemitischen Bedrohungslage ihre Studienpläne in Deutschland nicht weiterverfolgen würden. 

Zitat: „…das Thema, sich als jüdisch zu zeigen, sich also mit einem wichtigen Teil der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Identität zu zeigen, das bleibt sehr schwierig und ich würde auch vorsichtig sein, davon auszugehen, dass die krassen Ausrutscher abgenommen hätten: das eine ist ja die Frage, was medial skandalisiert wird, und das andere ist die Frage, was Menschen in ihrem Hochschulalltag erleben.“ Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (IRex, Universität Tübingen)

Link: https://www.deutschlandfunk.de/jahrestag-7-oktober-lage-an-den-hochschulen-100.html

Hörempfehlung – Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Co-Leitung unseres Forschungsbereichs, zu Gast bei radioeins 

Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Co-Leitung unseres Forschungsbereichs, war zu Gast bei radioeins und hat die zentralen Einsichten der von ihr und Marina Chernivsky geleiteten Studie »Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 – Auswirkungen auf jüdische und israelische Communities in Deutschland« vorgestellt und deren Handlungsempfehlungen auch im Hinblick auf die Koalitionsbildung nach der Wahl in Berlin eingeordnet.  

Das Forschungsziel dieser bundesweiten qualitativen Studie war es, die Auswirkungen des Terrors am 7. Oktober 2023 auf die jüdischen und israelischen Communities in Deutschland zu untersuchen. Dabei lag der Fokus sowohl auf den Selbstthematisierungen des Erlebens und den Deutungen des terroristischen Anschlags als gruppenbezogene, kollektive Gewalt als auch auf deren Auswirkungen auf den Alltag und das Wohlbefinden von Jüdinnen_Juden in Deutschland. 

Zitat: „Wir haben die Studie offen angelegt, ganz offen gefragt: Was bedeutet für Sie, für dich der 7. Oktober? Und bemerkenswert ist, wie ähnlich Menschen trotz ihrer ganz unterschiedlichen sozialen Hintergründe geantwortet haben. Immer wieder wurde der 7. Oktober selbst als tiefe Zäsur, als Einbruch beschrieben. Er wird aber auch kontextualisiert mit früheren Erfahrungen. Beispielsweise nehmen Menschen Bezug auf den Ukraine-Krieg, den Beginn des Angriffs gegen die Ukraine, von dem viele Juden und Jüdinnen in Deutschland auch sehr direkt betroffen sind. Israelis nehmen oft Bezug auf die Erfahrung der Intifada in den 90ern. All diese lebensgeschichtlichen Verknüpfungen werden mit der Überwältigung des 7. Oktobers verbunden.“

Link: https://www.radioeins.de/programm/sendungen/die_profis/archivierte_sendungen/beitraege/drei-jahre-nach-dem-7–oktober–folgen-fuer-juedische–und-israe.html